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Spielerische Papagena Sophie Karthäusers Liederabend an der Oper Frankfurt
Vor zehn Jahren hatte die belgische Sopranistin Sophie Karthäuser als Papagena in Mozarts "Zauberflöte" an der Frankfurter Oper debütiert. Jetzt kehrte sie gemeinsam mit dem französischen Pianisten Cédric Tiberghien für einen Liederabend zurück. An das Trugbild der greisen Papagena erinnerte die Sängerin in Mozarts "Die Alte" mit fast naturalistisch "ergrauter" Stimme. Im erregt durchlebten "Zauberer" erstand der Page Cherubino in Mozarts "Figaro". Nur zwei Beispiele für Sophie Karthäusers Fähigkeit, szenische Darstellungsfülle mit Liedfeinheit zu verbinden. Unterstützt wird sie dabei von ihrer hellen, doch warm timbrierten und kernigen Stimme mit einem weiten Ausdrucksspektrum. Der variable Einsatz von Artikulation, Farben und Vibrato lässt auch subtile Details aufleuchten. Ihr Gespür für Stilunterschiede ist so verfeinert, dass auch Kreuzungen von Stilrichtungen deutlich werden - etwa dann, wenn Franz Schubert in seinen Kanzonen "La pastorella al prato" und "Guarda che bianca luna" sich in einen Wiener Rossini verwandelt.
Das raritätenreiche Programm mit Liedern Mozarts, Schuberts, Hugo Wolfs, Gabriel Faurés und Claude Debussys war der vokalen Wendigkeit Karthäusers ideal angepasst. Die Doppelvertonungen von Paul Verlaines Gedichten "Green" und "C'est L'extase" verwiesen auf sublime Unterschiede zwischen Faurés Linienpastell und Debussys Wort-Klang-Duft.
Cédric Tiberghien entwickelte sich immer mehr vom Kontrastgestalter (bei Mozart) zum Anschlagspoeten mit besonderem Gespür für Debussys Klangfarbenzauber. Mutig endete der Liederabend ganz leise, mit dem verzweifelt gehauchten "Hélas" aus Debussys "Ariettes oubliées". Zwei Lieder von Francis Poulenc lieferten einen effektvollen Schlusspunkt nach.
ELLEN KOHLHAAS
Text: F.A.Z., 26.03.2010, Nr. 72 / Seite 53
Physiognomie und Stimme - das ist im Falle von Sophie Karthäuser ein besonderes Verhältnis: das reinste Kindchenschema und dazu eine im ersten Moment wie maßgeschneidert wirkende Stimme. Sechs Lieder von Wolfgang Amadeus Mozart, einem Komponisten, dessen hellen Sopranpartien die Sängerin besonders verbunden ist, eröffneten passgenau den Liederabend in der Oper Frankfurt: Mädchen-Entäuschung, Seufzer, Abendempfindungs-Sentiment und die Parodie auf die ewig besserwisserischen alten Weiber. Hier war das stimmliche Augenrollen perfekt. Heraus fiel Mozarts "Eine kleine Kantate", eine Art freimaurerischer Hymnus, der Mozart in Propaganda-Mission zeigte: die bürgerlichen Fleiß- und Krafttugenden preisend, aber mit, dank der Sopranstimme, gebremstem Bräsigkeitston.
Es gibt in Sophie Karthäusers Stimme aber auch ein hartes Moment, und was kein Wässerchen trüben kann, könnte auch etwas Giftiges enthalten. Das gibt der Sache einen besonderen Reiz, der nicht recht bei Schubert, dann aber trefflich bei drei der "Weltlichen Lieder" aus Hugo Wolfs "Spanischem Liederbuch" wirkte. Kühle kam so in die zweite Hälfte nicht nur ob der Komponisten Gabriel Fauré und Claude Debussy. Ganz zurückgenommen wurde in apollinischer Herbheit jetzt der erotische Halbschatten der "verliebten Müdigkeit" ausartikuliert. Dabei wurde Karthäusers Stimm-Physiognomie noch um Klavierklänge bereichert, denen Cédric Tiberghien sehr feine Gesichtszüge gab.
Frankfurter Rundschau, von Bernhard Uske, 26.3.10
Sophie Karthäuser
Natürlich und abgeklärt im Liedvortrag
Als Pamina in der „Zauberflöte“ stellte sich Sophie Karthäuser in der Oper Frankfurt erstmals vor. Zehn Jahre ist das her, zwischenzeitlich ist die Sopranistin besonders in Frankreich gefragt. So erwies sie in der zweiten Hälfte ihres Frankfurter Liederabends mit Werken von Gabriel Fauré und Claude Debussy dem französischen Repertoire ihre Reverenz – blieb zunächst aber Mozart treu. „Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“: Vom ersten Mozart-Lied an faszinierte Karthäusers, sensibler Umgang mit Artikulation, Sprachnuancen, Ausdruck, als sie der schrulligen Beschwörung des früher Besseren im Monolog der „Alten“ KV 517 Gestalt gab, ohne verzerrende Übertreibung, nur mit einer leicht ins Nasale wirkenden Verfärbung ihres Timbres. Der Lebensglücksgesang in Mozarts „Kleiner deutscher Kantate“ KV 619 klang keine Spur pathetisch, sondern natürlich, abgeklärt, leise hymnisch. Piano-Partner Cédric Tiber ghien gestaltete delikat mit, auch in den Preziosen italienischsprachiger Schubert-Lieder, erst recht in dessen Goethe-Vertonung „Gretchen am Spinnrad“, in fließender Bewegung mehr leise treibend als monoton untermalend. Vorzüglich gelangen Karthäuser dank technisch exzellenter Stimmführung die feinen Andeutungen, Zwischentöne und knappen Pointierungen in drei Liedern aus Hugo Wolfs „Spanischem Liederbuch“. Ihre Kunst der schwerelosen und doch wortgenauen Gestaltung veredelte die Interpretation von Faurés „Mélodies de Venise“: Die eingangs des zweiten Lieds poetisch besungene „Ruhe im Halbschatten“ etwa formte sie als berückendes Tonbild, klar, konzentriert und tief in sich ruhend. Diese Kunst, noch knappste Stimmungsskizzen glaubhaft und atmosphärisch dicht auszuprägen, trug Pianist Tiber ghien in der Begleitung von sechs Debussy-Liedern weich, jedoch konturiert gezeichnet mit. Zugaben dieses leisen, großen Abends waren zwei Lieder von Francis Poulenc.
Offenbach-Post, Axel Zibulski, 26.3.10
"Die junge Sopranistin Sophie Karthäuser singt das Stück so zauberhaft, als wolle sie die Sterne vom Himmel holen. Es wird zum Höhepunkt eines Konzertes mit dem Deutschen Symphonie-Orchester."
(Der Tagesspiegel, 12. Februar 2007)
Hamburg / The Monteverdi Choir & Orchestre Révolutionnaire et Romantique, John Eliot Gardiner / Haydn Die Schöpfung
(...) So auch das Solistentrio, an dessen Spitze Sophie Karthäuser mit einem Lächeln in ihrer lyrischen Sopranstimme der Bewegtheit des Herzens den freien Koloratur-Lauf ließ. (...) 07.12.09 Welt-Online
(...) Sopranistin Sophie Karthäuser bezirzte mit ihrem stimmlichen Glanz und einer natürlichen Phrasierung, die das Orchester organisch mitatmete. (...) 07.12.09 Hamburger Abendblatt
(...) Wenn dann noch Stimmkaliber wie Sophie Karthäuser in Erscheinung treten, die als Susanna von äußerster Zartheit bis zu jubelnder Eruption über ein Expressionsspektrum sondergleichen verfügt, dann ist das Opern-, pardon: Oratorienglück perfekt. Wo Virtuosität in Stimmführung und Koloristik so ganz und gar im Dienste der dramaturgischen Wahrhaftigkeit steht, bleiben keine Wünsche offen. (...)
"Die Presse", Wien, 12.09.2009
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